WordPress und Typo3 im Vergleich

WordPress im Vergleich zu Typo3 - summ-it Unternehmensberatung

WordPress als Enterprise-CMS? Möglichkeiten und Grenzen im Vergleich zu TYPO3.

WordPress ist das derzeit am häufigsten verwendete Content Management System (CMS) für Websites. Ursprünglich als CMS für Blogs entwickelt, versorgt eine fleißige Entwickler-Community die rasant wachsende Fangemeinde von WordPress mit immer neuen Funktionen. Dadurch wird das einfach zu handhabende Tool auch für Unternehmer zunehmend interessant – vor allem, weil es als schnell zu installieren und einfach zu handhaben gilt.

Ist WordPress also eine Alternative zu den etablierten CMS wie TYPO3?

WordPress und Typo3 im Vergleich

Unterschiede im Selbstverständnis von WordPress und TYPO3

WordPress vs TYPO3

WordPress wurde als Weblog- (Blog-)System konzipiert und versteht sich primär als „zeitgemäßes Weblog-System zum Veröffentlichen persönlicher Beiträge … mit den Schwerpunkten … Ästhetik, Webstandards und Benutzerfreundlichkeit.“

TYPO3 dagegen wurde von Anfang an als umfangreiches und vielseitiges Web-Content-Management-System, als. „Enterprise-CMS“ entwickelt. Es wird von Global Playern verschiedenster Branchen wie beispielsweise Lufthansa (Airline), Lindt & Sprüngli (Confiserie) und Hankook (Reifenhersteller) eingesetzt.

Als Redaktionssystem im klassischen Sinne ist es entwickelt für die Anforderungen von Unternehmen an das Internet, Intranet und Extranet und „… bietet Funktionen und Module sowie eine Erweiterungsschnittstelle für ein Maximum an Einsatzmöglichkeiten.“

Daraus ergeben sich Unterschiede in Aufbau und Handhabung der beiden Systeme und in den Möglichkeiten, die sie bieten. Für ein großes Unternehmen sind bei der Entscheidung für ein Enterprise-CMS andere Aspekte wichtig als für ein kleines Unternehmen – ein Punkt, den man insbesondere bedenken sollte, wenn man sich Statistiken zur Verbreitung beider Systeme ansieht.

Marktanteile WordPress und Typo3

WordPress: 58%
Typo3: 11%
Joomla: 11%
Contao: 5%
Drupal: 2%
Magento: 1%
Redaxo: 1%
Alle anderen: < 1%

Quelle: webcalculator.com

Verbreitung von WordPress

You can’t beat the trend!

Mit geschätzten mehr als 500.000 Installationen hauptsächlich im Enterprise-Bereich gehört TYPO3 zu den am meisten verbreiteten CMS im Web. Der TYPO3 References Blog zeigt allein für das Internet Dutzende Beispiele großer TYPO3-Implementierungen, die die ganze Bandbreite der Möglichkeiten für Unternehmens-Websites der unterschiedlichsten Branchen abdecken. Die Fans von TYPO3 finden sich vor allem in Deutschland, dicht gefolgt von Österreich und der Schweiz.

Bei der Betrachtung der Ist-Situation darf nicht vergessen werden, dass WordPress das CMS mit den bei weitem größten Zuwachsraten ist. Der Grund: WordPress holt in großen Schritten auf und bietet zwischenzeitlich Funktionen, die seither den „klassischen“ CMSen wie Typo3, Joomla und Contao vorbehalten waren.

Gemeinsamkeiten von WordPress und Typo3

Beide Lösungen sind plattformunabhängig und benötigen als Zugang zum Backend lediglich einen gängigen Browser. Ebenfalls möglich ist der Zugang zu manchen Content-Bearbeitungsfunktionen über das Frontend, also die im Browser angezeigte Webseite.

Für den Betrieb beider Lösungen werden ein (Web-)Server und eine Datenbank benötigt. Die Anforderungen daran sind bei TYPO3 höher als bei WordPress. Die Installation von WordPress ist in kurzer Zeit erledigt; eine Typo3-Installation hat einige Fallstricke, an der weniger erfahrene Anwender regelmässig scheitern.

Welches System ist das Passende?

Das kommt, wie so häufig, auf die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Systems an. Nachfolgend werden einige Aspekte genannt, die bei der Entscheidung für ein Enterprise-CMS oft eine Rolle spielen.

Der Kostenfaktor

Immer einer der wichtigsten Punkte auf der Fragenliste von Entscheidern: die Kosten. Für die Anschaffung fallen keinerlei Lizenzkosten an, sowohl WordPress als auch TYPO3 sind kostenlose Open-Source-Lösungen.

Die Kosten für Einrichtung und Betrieb dagegen machen sich am erforderlichen Zeitaufwand fest. Für die Einrichtung einiger Webseiten oder eines Blogs genügt bei WordPress ein wenig technisches Verständnis. Das Installieren und Konfigurieren ist ohne große Einarbeitung möglich, auch für technisch begabte Laien. Die Systemanforderungen sind bei den meisten Webspace-Anbietern Standard und für kleines Geld zu haben.

Um mit TYPO3 eine anspruchsvolle und umfangreiche Unternehmens-Website zu etablieren, sind die Anforderungen ungleich höher. Kenntnisse in TypoScript sind für fast alle Aufgaben erforderlich. Die Einarbeitungszeit für TYPO3-Neulinge wird auf mehrere Wochen bis Monate veranschlagt. In der Praxis wird das Einrichten, Konfigurieren und Pflegen einer TYPO3-Website an einen professionellen Dienstleister vergeben.

Die Erfahrung zeigt, dass die Entwicklung einer kompletten Webseite mit WordPress um ca. 20-30% günstiger machbar ist, als mit Typo3.

Die Kosteneffizient von WordPress setzt sich im Betrieb fort: Das Einstellen von neuem Content – und genau darum geht es primär bei einer Webseite – ist mit WordPress ungleich einfacher zu machen, als das deutlich sperrigere und in die Jahre gekommene Typo3.

Planungssicherheit

Beim Stichwort „Open Source“ zögert so mancher: Keine Lizenzkosten ist ja gut und schön, aber was ist, wenn die Entwickler-Community das Interesse verliert und das System nicht mehr weiterentwickelt wird?

Das CMS WordPress gibt es seit Anfang 2004. Seitdem wird alle paar Monate eine aktualisierte Version mit Funktionserweiterungen und Anpassungen an aktuelle Technologien bereitgestellt. Das Enterprise-CMS TYPO3 wurde 2001 zum ersten Mal veröffentlicht. Seitdem wird in unregelmäßigen Abständen (ca. alle 9 – 15 Monate) ein neues Release vorgestellt. Eine Besonderheit sind die LTS (Long Term Support)-Versionen von TYPO3, bei denen die laufende Aktualisierung (Fehlerbehebung und Sicherheitsupdates) bis zu einem bestimmten Datum gesichert ist.

Einarbeitungsaufwand

Eines der Hauptargumente von WordPress ist seine Benutzerfreundlichkeit. Das übersichtliche Backend erleichtert die Einarbeitung erheblich. Die Dokumentation auf der WordPress-Website ist sehr umfangreich, übersichtlich und meist aktuell. Dazu gibt es Blogs, FAQ und einiges mehr.

Das TYPO3-Backend bietet eine Vielzahl von Informationen und ist gleichzeitig sehr übersichtlich. Erfahrene Redakteure finden sich schnell zurecht. Zudem kann das Backend in seinem Erscheinungsbild sehr detailliert an die Kenntnisse der Redakteure angepasst werden.

Eingabe und Layout der Inhalte

Bei WordPress erfolgt die Eingabe des kompletten Inhalts einer Seite im Rich-Text-Editor. Ergänzend dazu sind eine ganze Reihe erstklassiger Themes entstanden, mit denen Seiten und Beiträge einfach und per Drag & Drop erstellt werden können. Damit lassen sich selbst komplexe Layouts sehr schnell und einfach erstellen und für neue Seiten übernehmen.

In TYPO3 wird die Struktur der Website in einer Baumstruktur dargestellt. Eine einzelne Webseite kann aus mehreren Inhaltselementen bestehen, die wiederum unterschiedliche Funktionen haben können. Die Elemente können einzeln gesteuert und mit unterschiedlichen Layouts versehen werden.

Dadurch ist sowohl der Seitenaufbau als auch die Struktur der ganzen Website sehr übersichtlich und klar strukturiert, auch bei sehr komplexen Seitenstrukturen und mehreren Sprachen. Es können, je nach Aufgabenstellung, unterschiedliche Ansichten einer Seite und der Inhalte ausgewählt werden.

Workflows und Versionierung

In WordPress sind „Workflows“ hauptsächlich für das Redigieren und Freigeben von Artikeln vorgesehen. Redaktions-Workflows für statische Seiten sind mit Plug-ins möglich. Änderungen an bestehenden Seiten und Beiträgen werden automatisch versioniert, so dass jederzeit auf einen früheren Stand zurück gesprungen werden kann. Ergänzend gibt es die Möglichkeit, per Klick zwischen Frontend-Ansicht und der Bearbeitung im Backend zu springen.

Um Änderungen an einer Website im Vorfeld beurteilen und testen zu können, bietet TYPO3 die so genannten „Arbeitsumgebungen“, in denen mehrere Versionen der Website angelegt werden können.In TYPO3 können auch komplexe Workflows abgebildet werden. So kann beispielsweise eine redaktionelle Änderung von mehreren Redakteuren erstellt, überarbeitet und freigegeben werden, bevor sie online geht.

Rollen und Rechte

WordPress bietet für das Backend standardmäßig 5 Benutzerrollen mit definiertem Rechteumfang. Das Rechtesystem kann durch den Einsatz von Plugins angepasst und erweitert werden. Dennoch ist schwierig, Rechte auf Seitenebene zu definieren. Dagegen bietet TYPO3 ein sehr flexibles Rechtesystem. Es lässt sich bis ins Detail steuern, welcher Benutzer auf welcher Seite was tun darf – oder eben nicht. Für Unternehmen ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, versehentliches Löschen von Inhalten zu vermeiden oder das vorzeitige Publizieren unternehmenskritischer Informationen zu verhindern.

In der Praxis werden die ausgefeilten Typo3 Benutzerberechtigunge eher selten genutzt.

Haben und Wollen

Eine weitere Stärke von WordPress ist der mächtige Katalog an kostenlosen und kommerziellen Themes sowie Plugins. Auch wenn Typo3, Contao, Joomla etc. hier nachgezogen haben, gibt es im WordPress Universum für jede nur denkbare Aufgabenstellung die passenden Erweiterungen.

Fazit: WordPress oder TYPO3?

Und hier sind wir bereits bei einer typischen Argumentationskette „klassischer Typo3-Agenturen“: Diese verdienen immer noch viel Geld mit der Programmierung fehlender Funktionen in Typo3 mit TypoScript. Können – wie bei WordPress der Fall – fehlende Funktionen in Minuten durch passende Plugins nachgerüstet werden, geht diesen Agenturen Umsatz verloren, was deren vehemente Verteidigung des in die Jahre gekommenen Typo3 erklärt.

Manche Web-Agenturen raten von WordPress ab und verweisen etwas undifferenziert auf „Sicherheitsmängel“, eine „fehlende Mehrsprachigkeit“ oder „WordPress ist ein reines Blog-System und damit als Unternehmens CMS nicht geeignet“ verweisen.

Jochen Maier, Geschäftsführer summ-it Unternehmensberatung sowie Vorsitzender des Bitkom Arbeitskreis Output Solutions

Jochen Maier, CEO der summ-it Unternemensberatung

Aus unserer Sicht stimmen diese Aussagen schon länger nicht mehr – WordPress hat gewaltig aufgeholt und die klassischen CMSe deutlich überholt. Updates von WordPress, Themes und Plugins werden in der Regel sehr zeitnah zur Verfügung gestellt und können einfach und effizient eingespielt werden.

Wir setzen grundsätzlich nur auf erprobte Standard-Komponenten die sehr häufig eingesetzt werden. Wir betreiben mehrere Dutzend WordPress-Webseiten für unsere Kunden und hatten in diversen Jahren noch keine ernsthaften Probleme.

WordPress eignet sich in hervorragender Weise für das Erstellen und Teilen von Seiten, Blogs etc. und ist damit klar führend. Nicht ohne Grund hat WordPress zwischenzeitlich eine dominante Stellung erreicht.

Fazit: Es gibt immer noch gute Gründe für Typo3 und Joomla – diese rücken allerdings immer weiter in den Hintergrund. Für sehr viele Anwendungsfälle eignet sich WordPress in hervorragender Weise.

 

Quelle: In Teilen aus dem eStrategy Magazin