Neue Geschäftsmodelle für Anwaltskanzleien

Im Vergleich mit anderen Branchen ist der Markt für Rechtsanwälte und Kanzleien relativ konjunktur- und saisonunabhängig. Die zurückliegende, weltweite Finanzkrise hatte bislang erfreulich geringe Auswirkungen auf die Nachfrage nach Rechtsdienstleistungen in Deutschland und erfreut sich einer guten wirtschaftlichen Entwicklung.

Profitieren konnten vor allem die Fachgebiete IT-Recht, Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Urheber- und Medienrecht. Insbesondere Inhaber und Partner größerer Kanzleien verzeichneten in den letzten Jahren Umsatzsteigerungen und bewerten ihre Ertragslage als (sehr) gut.

Neue Geschäftsmodelle für Anwaltskanzleien

In den letzten 10 Jahren sind zahlreiche Kanzleien neu gegründet worden; mittlerweile existieren über 54.000 Anwaltskanzleien in Deutschland. Die Folge: Ein deutlich verschärfter Wettbewerb. Insbesondere in Ballungsgebieten hat die Anzahl der zugelassenen Anwälte deutlich zugenommen. Erschwerend kommt dazu, dass Versicherungen, Banken und sonstige Finanzdienstleister verstärkt als Wettbewerber um Beratungsmandate im Markt agieren. Zwar ist der Markt für Rechtsdienstleistungen insgesamt größer geworden, parallel dazu hat sich aber der Wettbewerb deutlich intensiviert.

Gestiegener Wettbewerb erfordert neue Geschäftsmodelle für Anwaltskanzleien

Unter diesen Rahmenbedingungen ist die gezielte Steigerung der Sichtbarkeit der eigenen Kanzlei wichtiger denn je. Was also können Kanzleien tun, um die Sichtbarkeit zu steigern? Mit welchen Ideen und Geschäftsmodellen können sie neue Kunden gewinnen?

Web-basierte Angebote ergänzen klassisches Beratungsportfolio

Ab dem Jahr 2017 dominiert eine neue Kundengeneration: die „Digital Natives“ – auch als „Generation Y“ bekannt.

Neue Geschäftsmodelle für Anwaltskanzleien - summ-it Unternehmensberatung

Ab 2017 dominiert die „Generation Y“ die Anwaltskanzleien, Quelle: summ-it Unternehmensberatung.

Die Digitalisierung hat die Erwartungen und das Verhalten von Kunden grundlegend verändert. Sie fordern von Anwälten und Kanzleien, umfassend und schnell Informationen zu erhalten, einfache Vorgänge und Verträge mobil von unterwegs erledigen und abschließen zu können und bei Anfragen individuell und umfassend betreut zu werden. Viele Anwälte nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung bestenfalls als weiteren Vertriebsweg, aber das genügt bei Weitem nicht mehr. Klassische Erfolgsfaktoren wie eine gute fachanwaltliche Expertise sowie ein guter Service sind immer noch wichtig. Aber das reicht nicht mehr, dafür sorgt die technologische Entwicklung.

Geändertes Nutzungsverhalten erzwingt neue Geschäftsmodelle für Anwaltskanzleien

Insbesondere junge Kunden wollen Rechtsdokumente digital und per Browser abschließen und in einem Web-Portal verwalten können. Am besten auch Rechtsdokumente verschiedener Anbieter. Gefragt sind Web-Portale, in denen rechtssichere Dokumente on the fly erstellt, bezahlt und für die spätere Nutzung gespeichert werden können. Selbstverständlich muss die Lösung in der Lage sein, Rechtsdokumente um individuell einzugebende Informationen zu ergänzen, also zu personalisieren. Bei eventuell auftretenden Fragen soll der Anbieter dieses Rechtsdokuments direkt aus dem Portal heraus kontaktier- und ansprechbar sein.

Moderne und innovative Kanzleien nutzen diesen hybriden Ansatz, um das eigene, „klassische“ Beratungs- und Dienstleistungsportfolio auszudehnen und adressieren potenzielle Kunden dort, wo diese nach Lösungen suchen: im Web.